Weniger Fleisch? – Lieber nicht.

Neue Studie zu Reaktanz in der Gesundheitskommunikation: Aufforderungen zu weniger Fleischkonsum k?nnen Aufmerksamkeitsprozesse beeinflussen und so Konsumver?nderungen erschweren

Zahlreiche Informationskampagnen versuchen Menschen von einem gesunden Verhalten zu überzeugen. So werden wir fast t?glich mit Aufforderungen konfrontiert, uns mehr zu bewegen, gesünder zu essen oder mit dem Rauchen aufzuh?ren. Forschung zeigt, dass solche Botschaften durchaus wirken k?nnen, ihre Effekte aber begrenzt sind. Ein Erkl?rungsansatz dafür ist das Ph?nomen der psychologischen Reaktanz. Durch die Aufforderung, das eigene Verhalten zu ?ndern, k?nnen sich Menschen in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschr?nkt fühlen, sie reagieren dann ver?rgert und ignorieren die Botschaft oder verst?rken das unerwünschte Verhalten sogar. So konnten verschiedene Studien zeigen, dass Gesundheitsbotschaften, die auf eine Reduzierung von Tabak- oder Alkoholkonsum abzielten, gegenteilige Effekte bewirkten, also zu einer gesteigerten Einnahme der Drogen führten.

Wie beeinflusst Reaktanz Aufmerksamkeitsprozesse?

W?hrend die Auswirkungen psychologischer Reaktanz in vielen Bereichen gut untersucht sind, ist wenig über die zugrundeliegenden kognitiven Prozesse bekannt. Im Rahmen einer nun im Journal of Health Communication ver?ffentlichten Studie wurde von Forschenden der Universit?ten Bamberg und Erfurt untersucht, inwiefern Reaktanz Aufmerksamkeitsprozesse beeinflusst. Dazu wurden die Teilnehmenden in mehrere Gruppen eingeteilt. W?hrend eine Experimentalgruppe dazu aufgefordert wurde, in Zukunft kein Fleisch mehr zu konsumieren, um ihre Gesundheit und die Umwelt zu schützen, bekam eine Kontrollgruppe keine solche Botschaft. In anschlie?enden Messungen zeigte sich, dass omnivore, also fleischessende Teilnehmende der Experimentalgruppe st?rker ver?rgert waren als omnivore Personen in der Kontrollgruppe. Au?erdem hing das Ausma? der Reaktanz bei omnivoren Experimentalgruppenmitgliedern mit ihrer Leistung in einem Wortgitter zusammen, in dem neben neutralen W?rtern wie etwa ?Papier“ oder ?Mond“ auch fleischbezogene Begriffe versteckt waren – zum Beispiel ?Wurst“ oder ?Schnitzel“. Je st?rker die Ver?rgerung war, umso mehr fleischbezogene Begriffe fanden diese Personen im Wortgitter.

Gesundheitsbotschaften k?nnen beabsichtigte Verhaltens?nderungen erschweren

?Das Ergebnis deutet darauf hin, dass die durch Gesundheitsbotschaften ausgel?ste Reaktanz unsere Aufmerksamkeit in Richtung ungesunder Konsumgelegenheiten verschieben kann“, erl?utert Philipp Sprengholz, Juniorprofessor für Gesundheitspsychologie an der Universit?t Bamberg. ?Dadurch kann die beabsichtigte Verhaltens?nderung erschwert und ungesundes Verhalten m?glicherweise sogar verst?rkt werden.“ In zukünftigen Studien sollen die Aufmerksamkeitsprozesse und ihre Auswirkungen auf tats?chliches Konsumverhalten genauer untersucht werden. Die aktuellen Befunde deuten bereits darauf hin, dass Gesundheitsbotschaften m?glichst wenig Reaktanz ausl?sen oder durch geeignete Ma?nahmen Aufmerksamkeitsverschiebungen korrigieren sollten.

Publikation: Sprengholz, P., Tannert, S., & Betsch, C. (2023). Explaining Boomerang Effects in Persuasive Health Communication: How Psychological Reactance to Healthy Eating Messages Elevates Attention to Unhealthy Food. Journal of Health Communication. https://doi.org/10.1080/10810730.2023.2217098

Hinweis: Philipp Sprengholz stellt Journalist*innen die Publikation auf Anfrage gerne zur Verfügung.

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