Eine der erfassten und nun online zug?nglichen Karten stellt einen Entwurf für einen Verkehrsplan für Nürnberg dar. Der Plan wurde direkt auf einer gedruckten Kriegsschadenskarte von Nürnberg gezeichnet.
Historische Kriegsschadenskarten er?ffnen Perspektiven auf Vergangenheit und Zukunft
?berflutete St?dte, eingestürzte Wohnh?user, zerst?rte Altst?dte: durch Naturkatastrophen infolge des Klimawandels oder durch Kriege wie etwa in der Ukraine sind solche Bilder heute allgegenw?rtig. Doch wie reagieren Gesellschaften nach derartigen Katastrophen, wie sichern, reparieren oder gestalten sie ihre St?dte neu und bereiten sich auf zukünftige Krisen vor? Einblick und Ansatzpunkte k?nnen Schadenskarten aus der Vergangenheit liefern: Das Projekt ?UrbanMetaMapping“ sammelte und untersuchte in den vergangenen fünf Jahren historische Kriegsschadenskarten aus Mittel- und Osteuropa aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, um zu verstehen, wie St?dte neu geordnet und wiederaufgebaut wurden. Ziel war es, diese bislang wenig erforschte Quellengattung systematisch zu analysieren, die Kontexte ihrer Entstehung zu kl?ren und zu zeigen, wie sie beim Wiederaufbau genutzt wurde. Zu den zentralen Ergebnissen z?hlt die aktuell noch andauernde Ver?ffentlichung der aufbereiteten Daten – frei zug?nglich für alle interessierten Personen.
Umfangreiche Kartensammlung
?Die Kriegsschadenskarten sind Datensch?tze – im Grunde Datenbanken auf Papier“, sagt Dr. Carmen Enss, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDwt) der Universit?t Bamberg und Leiterin des Projekts. ?Indem wir sie digital aufbereiten und offen lizenzieren, machen wir sie für viele neue Fragen nutzbar – in Forschung, Lehre und für die interessierte ?ffentlichkeit.“ Schadenskarten entstanden w?hrend des Zweiten Weltkriegs fast überall in Europa als Teil der Katastrophenhilfe, wie die Forschenden herausfanden. Direkt nach Kriegsende wurden die Karten genutzt für den Wiederaufbau. Je gr??er und politisch wichtiger die Stadt, desto mehr Kartenmaterial fanden die Forschenden bei ihren Recherchen in Archiven in ganz Europa. Neben Karten aus deutschen St?dten wie Nürnberg oder Berlin entdeckten sie etwa auch Material aus London, Warschau oder Bukarest ?Wir haben viel mehr Schadenskarten vorgefunden, als wir erwartet hatten – praktisch überall, wo wir gesucht haben“, sagt Enss. Aus der Zeit gab es aber nicht nur Karten, die Kriegssch?den dokumentierten. In Rum?nien fanden die Forschenden beispielsweise Schadenskarten zu einem gro?en Erdbeben, das 1940 verheerende Sch?den hinterlie?. Die Karten, die nach dem Erdbeben entstanden, wurden auch w?hrend und nach dem Krieg für die Dokumentation der Kriegssch?den genutzt.
Umgang mit Krisen – gestern, heute und morgen
?Die Untersuchungen im Rahmen von UrbanMetaMapping zeigen, dass Wiederaufbauprozesse nach dem Zweiten Weltkrieg planvoller und koordinierter verliefen, als h?ufig angenommen wird“, erl?utert Carmen Enss. Viele der Karten – insbesondere aus Deutschland – beruhten auf nationalen Richtlinien. Diese Erkenntnis machte es für die Forschenden m?glich, die Karten selbst ohne oder ohne vollst?ndige Legende zu lesen und zu interpretieren. Bereits kurz nach Kriegsende begannen Katastrophenschutz- und Baueinheiten mit systematischen Sicherungs- und R?umma?nahmen. Für Carmen Enss lassen sich daraus Lehren für den heutigen Umgang mit Krisen ziehen: ?Angesichts der Klimakrise und erwartbarer Katastrophen wie ?berflutungen lohnt es sich, auf die Strategien früherer Wiederaufbauphasen zu schauen. Heute wie damals ist die enge Zusammenarbeit von St?dtebau und Denkmalpflege entscheidend – sei es, um historisch gewachsene Stadtteile zu sichern oder um nachhaltige L?sungen für künftige Wiederaufbauten zu entwickeln.“
Digitale Plattform macht Schadenskarten sicht- und nutzbar
Die Plattform ?MapmyMaps“, auf der ein Teil der Karten nun ?ffentlich zug?nglich ist, wurde von Dr. Klaus Stein eigens für das Projekt entwickelt. Stein forscht an der Universit?t Bamberg unter anderem zu Spatial Humanities, begleitet seit vielen Jahren die Digitalisierung in den 球探足球比分 Sozialwissenschaften, und kümmert sich um den (Geo-)Informatik-Teil des Projektes. Ausgew?hlte historische Karten wurden in GIS georeferenziert und überlagert, womit sich die unterschiedlichen Zeitebenen abbilden lassen: So l?sst sich zun?chst die Stadtgrundkarte aus der Vorkriegszeit erkennen, darüber werden – sofern vorhanden – die Kriegssch?den sichtbar, und in manchen F?llen erg?nzt eine dritte Ebene die Planungen für den Wiederaufbau. Nicht zu jedem Ort sind alle Schichten vollst?ndig überliefert, doch wo sie vorhanden sind, machen sie die Entwicklung einer Stadt im Wandel der Zeit nachvollziehbar. Darüber hinaus k?nnen die georeferenzierten Karten auch für ganz praktische Fragestellungen aus der Gegenwart genutzt werden, wie etwa die Brandmittelbek?mpfung: ?Bei Bauarbeiten in St?dten werden regelm??ig Blindg?nger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Mithilfe der georeferenzierten Karten lie?e sich gezielter nachvollziehen, wo Bomben fielen – und wo daher ein erh?htes Risiko besteht“, erl?utert Enss.
Internationales Projekt mit Zukunft
Das mit rund 2,5 Millionen Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gef?rderte Projekt UrbanMetaMapping war interdisziplin?r angelegt: Denkmalpflege, Geschichte, Geoinformatik, Informatik, Sozialgeografie und Linguistik arbeiteten eng zusammen. Am Projekt beteiligt waren etwa Forschende aus Deutschland, Gro?britannien, Polen, Rum?nien, Griechenland und ?sterreich. Ein H?hepunkt war die Tagung ?Spatial Humanities“, die 2024 in Bamberg mit über 100 Teilnehmenden aus aller Welt stattfand und das Projekt international sichtbar machte.
Das Projekt wurde Ende 2025 offiziell abgeschlossen. Doch die Arbeit geht weiter: Aktuell arbeitet das Team daran, Schadenskarten aus Nürnberg so aufzubereiten, dass sie künftig in den Bayernatlas integriert werden k?nnen. Dafür werden die historischen Karten passgenau auf heutige digitale Stadtpl?ne gelegt. Der besondere Mehrwert: Im Bayernatlas lassen sich die Kriegssch?den direkt mit aktuellen Geodaten – etwa heutigen Stadtstrukturen oder Denkm?lern – vergleichen. Damit werden die historischen Karten für Planung und Denkmalpflege unmittelbar nutzbar.
Zudem plant das Team um Carmen Enss neue F?rderantr?ge, um die Forschung auszubauen. Künftig k?nnte beispielsweise untersucht werden, welche Ver?nderungen im Stadtbild nach Kriegen tats?chlich zerst?rungsbedingt waren – und welche auf bewusste Planungsentscheidungen zurückgingen. Auch Vergleiche mit weiteren L?ndern und Regionen wie etwa Japan w?ren denkbar. Ein zentrales Anliegen bleibt die dauerhafte Sicherung und Zug?nglichkeit der erhobenen Daten. Dazu stehen die Forschenden bereits mit Geoportalen, Archiven und Bibliotheken in 球探足球比分. Enss erl?utert: ?Denn bei den Karten handelt es sich um historisch wertvolle Quellen, aber zugleich um fragiles Kulturgut, das, anders als digitale Daten, nicht für die Ewigkeit gemacht ist.“
Weitere Informationen zu ?UrbanMetaMapping“ finden Sie hier.
Einen Film zum Projekt gibt es hier.
?MapmyMaps“ ist hier zu finden.
Bild “StadtAN_A4_X_41_1.jpg(2.5 MB)”: Eine der erfassten und nun online zug?nglichen Karten stellt einen Entwurf für einen Verkehrsplan für Nürnberg dar. Der Plan wurde direkt auf einer gedruckten Kriegsschadenskarte von Nürnberg gezeichnet.
Quelle: Stadtarchiv Nürnberg/Heinz Schmei?er, Wilhelm Schlegtendal
Bild “2026-05-13_Carmen_Enss__3__Zuschnitt_autorisiert.jpg(2.6 MB)”: Carmen Enss leitet das Forschungsprojekt UrbanMetaMapping
Quelle: Emma Seeger/Universit?t Bamberg
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