Sunna Bitzer

kUNIgunde wird 30 Jahre alt

Alles Gute zum 30. Geburtstag kUNIgunde!

kUNI…wer? Ganz ehrlich: Falls dir der Name bis jetzt kein Begriff war, nicht schlimm. Mir ging es genauso, bis ich im Gleichstellungsbüro Wissenschaft mein Praktikum angefangen habe. Je mehr ich mich mit der kUNIgunde besch?ftigt habe, desto klarer wurde mir: Ihr solltet sie dringend kennenlernen. Dieser Blogbeitrag eignet sich hierfür perfekt. Wir begleiten ihren Wandel von der 18-seitigen Printausgabe bis zum heutigen Online-Blog. Au?erdem werfen wir einen Blick auf die heutige Gleichstellungsarbeit und wie die Uni Bamberg dazu beitr?gt.

 

Text: Sunna Bitzer 


kUNIgundes Wandel

30 Jahre m?gen erstmal wenig klingen, wenn bedacht wird, dass die Universit?t Bamberg schon mehr als 10-mal so viele Jahre auf dem Buckel hat. Für viele Studierende der Uni ist es wiederum l?nger, als sie überhaupt auf der Welt sind. Für ein Informationsmedium mit klarem Fokus auf Gleichstellungsarbeit ist es eine bemerkenswerte Zeitspanne, die zeigt, wie lange sich die Universit?t Bamberg mit Gleichstellung auseinandersetzt. 

Interessierte der Universit?t Bamberg konnten im Sommersemester 1996 zum ersten Mal das kommentierte Vorlesungsverzeichnis in der Hand halten, aus dem sich die kUNIgunde entwickelt hat, die wir heute kennen. 

Das stimmt so nicht ganz: Bereits im Wintersemester 1995/96 hat die damalige Fakult?t der Sprach- und Literaturwissenschaften ein Vorlesungsverzeichnis publiziert, das sich an Frauen richtete[1]. Diese Idee haben die damaligen Frauenbeauftragten aufgegriffen und erweitert. Das Heft verfolgte das Ziel, Student*innen an der Uni Bamberg über die Situation als studierende Frauen aufzukl?ren und so ihr Interesse für frauenspezifische Themen zu wecken.

Heute wird der Online-Blog dafür genutzt, Universit?tsangeh?rige über F?rderungsm?glichkeiten des Gleichstellungsbüros zu informieren, über Themen zu Feminismus und Gleichstellung aufzukl?ren und über Statistiken bezüglich Frauen* in der Wissenschaft zu berichten.

Von 18 Seiten Printausgabe eines kommentierten Vorlesungsverzeichnisses im Sommer 1996 bis zum Online-Blog, der Lesende mehrmals im Semester mit Beitr?gen begeistert – in 30 Jahren. 


[1] Gemeint waren auch zu dieser Zeit Frauen*. Dieser Ausdruck existierte vor 30 Jahren allerdings noch nicht. Wir m?chten darauf hinweisen, dass der Begriff Frauen* über das bin?re Frauenbild hinausgeht und daher bevorzugt wird. 

Eine kleine Zeitreise...

Wie wurde die kUNIgunde zu dem, was sie heute ist? 

Nicht nur das Verst?ndnis von Gleichstellungsarbeit hat sich in dieser Zeit ver?ndert, sondern auch ihre Kommunikationswege.

Im Dezember 1997 hat die kUNIgunde stolz verkündet nun auch im Internet vertreten zu sein. Die Rubrik ?Frauen im Internet“ informiert in dieser Ausgabe über die technische M?glichkeit des Internets und die Relevanz für das Arbeitsleben. Zus?tzlich der Hinweis ?Frauen sollten das Internet nicht verschlafen“. Aus heutiger Sicht wissen wir, welche Gefahr der digitale Raum für Frauen* und marginalisierte Gruppen bedeuten kann. Damals überwog jedoch die Freude über die neue Kommunikationsm?glichkeit und die damit einfacherer und effizientere Vernetzung. 

Mit den Jahren reihten sich immer mehr Rubriken in die kUNigunde ein. Es war schon 1999 mehr als nur ein kommentiertes Vorlesungsverzeichnis. Die Interviewreihe mit Professorinnen war ein fester Bestandteil der folgenden Ausgaben. Inzwischen bestand die Ausgabe bereits aus 50 Seiten. Das Informationsangebot erstreckte sich vom kommentierten Vorlesungsverzeichnis über Angebote in der Stadt Bamberg, F?rderungsangebote und Informationsartikeln, die unteranderem über Gesetzes?nderungen, die die Position von Frauen* in der Wissenschaft betrafen, berichteten. 

Im Sommer 2000 gl?nzte die kUNIgunde im neuen Au?en- und Innenlayout. Zudem wurden genderspezifische Umfragen an der Universit?t durchgeführt. Das führte zu der neuen Rubrik ?Statistiken“, in der Frauen*anteile auf unterschiedlichen wissenschaftlichen Karrierestufen dargestellt wurden. Die Zahlen verdeutlichen die Relevanz von Gleichstellungsarbeit – auch heute noch. 

Im Jahr 2003 war auch die kUNIgunde von den deutschlandweiten Sparma?nahmen betroffen. Aber die Mitarbeitenden der kUNIgunde lie?en sich nicht unterkriegen: Die Lesenden wurden in der Printausgabe mit den wichtigsten Informationen versorgt und die restlichen Inhalte waren auf der Website zu finden. 

2005 wurde das Layout der Printausgaben an das neue Corporate Design der Uni Bamberg angepasst. Die damalige studentische Hilfskraft Johanna Bamberg-Reinwand (heute Referentin für Gleichstellung in der Wissenschaft) erinnert sich: ?Meine Chefin Hannelore Phieler war da ziemlich stolz drauf. Ich bin dafür auch an der InDesign Vorlage regelm??ig verzweifelt.“ Zu jeder Zeit waren Mitwirkende der kUNIgunde darum bemüht am Puls der Zeit zu bleiben – was viel Arbeitsaufwand bedeutete. 

Die kUNIgunde bestand zu diesem Zeitpunkt zum Gro?teil aus Informationsartikeln, Statistiken, Interviews, Veranstaltungstipps und Literaturempfehlungen. Das Vorlesungsverzeichnis trat immer mehr in den Hintergrund, bis es 2010 kein Teil mehr der Ausgaben war. Auch deshalb nicht, weil Lehrende ihre Veranstaltungen kaum noch als ?frauenspezifisch oder geschlechtersensibel“ im UnivIS kennzeichneten. 

Kleiner Hinweis: Ihr müsst das Vorlesungsverzeichnis nicht vermissen. Es ist nun wieder online verfügbar, wird inzwischen aber nicht mehr von der kUNIgunde publiziert, sondern von der Vizepr?sidentin für Diversit?t und Internationales. Die Rubrik im UnivIS hei?t nun ?Gender und Diversit?t“ und das Angebot dahinter spiegelt das heutige intersektionale Gleichstellungsverst?ndnis wider.

In den Jahren 2013 bis 2016 passierte viel. Das Layout, die Rubriken und die Website wurden überarbeitet. Ein Teil der Neugestaltung war das Aufgreifen von Formulierungshilfen zum gendersensiblen Sprachgebrauch. Unsere aktuelle Version der Empfehlungen findet ihr hier. Das Gleichstellungsbüro war nun auf Facebook vertreten und die Website wurde auch auf Englisch angeboten. 

Seit 2017 wurden die Inhalte verst?rkt online ver?ffentlicht. Daraus hat sich der Online-Blog kUNIgunde entwickelt, deren Artikel ihr gerade lest. Beworben werden die neuen Artikel mittlerweile auf dem Instagram-Account ?Odilias Office“. 

Gleichstellungsarbeit als Querschnittsthema

Das Verst?ndnis von und Bewusstsein für Gleichstellung haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. 1996 wurde die F?rderung von exzellenten Frauen (rein bin?r gedacht) fokussiert. Heute wird Gleichstellung als etwas Intersektionales verstanden. Verschiedene Diskriminierungsformen wirken auf Individuen ein. Gleichstellungsarbeit an der Universit?t Bamberg ist demnach keine Frauen*sache, sondern eine Aufgabe, die alle Universit?tsangeh?rigen etwas angeht. Entsprechend wurden Angebote erweitert und Zust?ndigkeiten verschoben. 

Die Erweiterung des Verst?ndnisses von Gleichstellung l?sst sich unteranderem daran erkennen, dass die ehemalige Rubrik der kUNIgunde ?Studieren mit Kind“ nun Aufgabe des Familienbüros ist. So werden M?nner und V?ter in die Thematik einbezogen und unterstützt. 

An der Universit?t Bamberg wird Gleichstellung mittlerweile als Querschnittsthema verstanden. Das brachte neue Akeur*innen ins Spiel, die die Aufgabe nun gemeinsam verfolgen: Gleichstellungsbüro Wissenschaft, Familienbüro, Gleichstellungsbeauftragte, Vizepr?sidentin für Diversit?t und Internationales, Antidiskriminierungsstelle und Ansprechstelle für sexuelle Bel?stigung und Gewalt. So k?nnen alle Universit?tsangeh?rigen zielgruppenspezifisch unterstützt und gef?rdert werden. Einen ?berblick über die verschiedenen Ansprechpersonen gibt es hier. Sie in einer Broschüre zu sammeln, wie vor 30 Jahren in der kUNIgunde ist l?ngst nicht mehr zeitgem??. 

F?rderung als Beitrag zur Gleichstellung in der Wissenschaft

Eine Kernaufgabe bleibt dem Gleichstellungsbüro erhalten: Die F?rderung von Frauen* in der Wissenschaft, um die leaky pipeline zu vermindern. In der Grafik k?nnt ihr genau diese beobachten: Frauen*anteile nehmen mit jeder Qualifikationsstufe überproportional ab. Das Gleichstellungsbüro Wissenschaft verfügt mittlerweile über eine gro?e Auswahl an F?rderungsm?glichkeiten für Frauen* in der Wissenschaft. Je nach Programm, Stipendium oder Preis k?nnen Frauen* auf unterschiedliche Stufen ihrer wissenschaftlichen Karriere unterstützt werden. Einen ?berblick findet ihr hier.

Was blieb, was wurde neu?

Die kUNIgunde zeigt uns nach 30 Jahren, wie relevant Gleichstellungsarbeit war und ist, wie sich das Verst?ndnis von Gleichstellung im Laufe der Zeit entwickelt hat und welche Aufgaben damit einhergehen. Die kUNIgunde als Archiv verdeutlicht, dass Gleichstellungsarbeit auf verschiedene Arten lange Teil der Universit?t Bamberg war, ist und wohl auch weiterhin sein wird. 

Die kUNIgunde konnte sich im Laufe ihrer 30 Jahre über viele neue und verschiedene Gesichter freuen. Erfreulicherweise wuchs das Redaktionsteam und die Anzahl der Mitarbeitenden im Gleichstellungsbüro. W?hrend 1996 die studentische Hilfskraft Elle Pfnür das Projekt ?kUNIgunde“ allein schulterte, weil es noch keine Mitarbeitenden gab, haben wenige Jahre sp?ter bereits zwei studentische Hilfskr?fte unter der Leitung von Andrea Rupprecht gearbeitet. Die Nachfolgerin Hannelore Phiehler erhielt im Laufe der Zeit Unterstützung von drei Hilfskr?ften. Inzwischen hat das Gleichstellungsbüro zwei Mitarbeiterinnen und drei bis vier studentische Hilfskr?fte. Seit diesem Jahr ?ffnet das Gleichstellungsbüro auch seine Türen für Praktikant*innen. 

Die inhaltliche und kommunikative Gestaltung der kUNIgunde hat sich ver?ndert. Dennoch sind einige Kernziele geblieben. Früher und heute ist die kUNIgunde darum bemüht Sichtbarkeit zu schaffen, aufzukl?ren, Vernetzung zu erm?glichen und über F?rderungsangebote zu informieren, um so zur Gleichstellung beizutragen. 

Die Dynamik der Gleichstellungsarbeit l?sst sich daran erkennen, dass nun erweiterte Themenfelder behandelt und neue Kommunikationsformen genutzt werden.

Zusammenfassend l?sst sich sagen, dass die kUNIgunde ein Spiegelbild der Geschichte der Gleichstellungsarbeit an der Universit?t Bamberg darstellt. Sie beweist, dass Gleichstellung ein dynamischer Prozess ist. Vieles wurde bereits erreicht – vieles liegt noch vor uns. 

Auf viele weitere Geburtstage der kUNIgunde!